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2. ENAT-Kongress in Wien ein voller Erfolg

Kongress-Orginasatorin Angelika Laburda(IBFT),
Ivar Ambrose und Lilian Müller
(beide ENAT).
Foto: IBFT

Experten aus 24 Ländern diskutierten Ende September in Wien beim zweiten internationalen ENAT (European Network für Accessible tourism) Kongress über Trends und Perspektiven im barrierefreien Tourismus. In zahlreichen Präsentationen, Workshops und Round-Table-Gesprächen wurde den Teilnehmern ein wahres Feuerwerk an innovativen Projekten, Best-Practice-Beispielen sowie praxisorientierten Lösungsansätzen und Strategien serviert. (zum Anschauen unseres Videoberichtes HIER klicken)

Die östereichische Staatssekretärin Christine Marek begrüßte die zahlreichen Gäste, die aus allen Erdteilen nach Wien gekommen waren, im Namen des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend, das die Veranstaltung maßgeblich unterstützte. Ehrengast war Mohammed Al-Tarawneh, Mitglied des Komitees der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die UN-Konvention sichert rund 650 Millionen Menschen mit Behinderungen weltweit den gleichberechtigten Zugang zu ihren Grundrechten. 143 Länder haben die Konvention bereits unterzeichnet, 70 davon ratifiziert, darunter auch Österreich. Mohammed Al-Tarawneh wies besonders auf Artikel 30 hin, der die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben, an Freizeit und Sport vorsieht. „Wir wünschen uns, dass noch mehr EU-Staaten den Vertrag ratifizieren“, sagte Al-Tarawneh im Plenum.

Betty Dion, Präsidentin von GAATES – Global Alliance on Accessible Technologies and Environments ( http://www.gaates.org ), vermerkte positiv, dass nach dem In-Kraft­Treten der UN-Konvention am 3. Mai 2008 viele Länder begonnen haben, ihre nationalen Entwicklungspläne für den Tourismus in Hinblick auf Barrierefreiheit zu adaptieren.

*Trends und Perspektiven*

In Europa wird das Marktpotenzial auf 134 Millionen Menschen mit Behinderungen geschätzt, die auf Reisen mehr als 80 Millionen Euro auszugeben bereit wären. Prognosen zur demografischen Entwicklung im EU-Raum zeigen bis 2030 ein Wachstum der Generation 60plus, das deutlich über 30 Prozent liegt. Dieser Wandel wird nach Einschätzung der Experten ebenfalls als starker Motor für barrierefreie Tourismusangebote fungieren.

Markus Lassnig von Salzburg Research nimmt an, dass barrierefreier Tourismus – jetzt vielerorts noch als Marktnische wahrgenommen – ab 2026 überall als Standard etabliert sein wird, „weil der Megatrend zu mehr Komfort die Umsetzung eines barrierefreien Tourismus für alle unterstützt“. Eine Marktnische wird allerdings weiter bestehen: Urlaubsangebote für schwer und mehrfach behinderte Gäste erfordern nicht nur entsprechende Investitionen, sondern auch ein hohes Maß an Service, Engagement und Wissen im Dienstleistungsbereich.

Dimitrios Buhalis von der Bournemouth University (UK) warnt davor, perfekte Lösungen für alle Behinderungsarten einzufordern, weil es schon jetzt verschiedene Levels hinsichtlich der Zugänglichkeit (Accessibility) gibt: „Die Tourismusindustrie unterliegt wirtschaftlichen Beschränkungen und es mangelt am Wissen im richtigen Umgang mit Gästen mit Behinderungen.“ Buhalis möchte lieber von Minimalan­forde­rungen sprechen, weil sie seines Erachtens realistischer wären. Amerikanische Reisende mit Behinderungen wären bereit jährlich 13,6 Milliarden Dollar für barrierefreie Reiseangebote auszugeben, schätzt Buhalis.

Der deutsche Tourismusexperte Peter Neumann präsentierte aus seiner aktuellen Studie sieben Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Implementierung eines barriere­freien Angebots. „Barrierefreier Tourismus muss sexy werden“, forderte Neumann provokant. „Attraktivität für alle ist das Ziel! Es gilt, barrierefrei zugängliche und erlebbare Produkte und Angebote im Sinne eines ‚Designs für Alle’ zu entwickeln und damit einen wesentlichen Beitrag zu mehr Qualität im Tourismus für alle zu leisten.“

Viel Anerkennung heimsten auch die Präsentationen über barrierefreie Destinationen und Tourismusprojekte aus verschiedenen EU-Ländern wie Deutschland, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn und Tschechien ein. Vor allem Osteuropa setzt bei neuen Projekten mit Erfolg auf barrierefreien Tourismus und investiert in Ausbildungs-, Standardisierungs- und Zertifizierungsmaßnahmen.

Mieke Broeders, nationale ENAT-Koordinatorin für Flandern (Belgien), berichtet, dass in ihrer Heimat jedes Ministerium über einen Aktionsplan verfügt, der die EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung und Chancengleichheit umsetzt. Sie vermisst allerdings die Definition von klaren Zielen, an denen Fortschritte gemessen werden könnten. Broeders fordert eine professionelle Betreuung der Tourismusindustrie durch Experten: „Broschüren verbreiten ist zu wenig“, resümierte sie.

Weiterführende Infos gibt es unter www.accessibletourism.org (ENAT – European Network for Accessible Tourism) sowie unter www.ibft.at (Infoplattform Barrierefreier Tourismus in Österreich).